Tangokonzept.

Im Zusammenhang unserer Tangoprojekte in der Oberstufe haben wir folgende Aspekte des Tangounterrichts herausgearbeitet.
Diese Aspekte sind in unterschiedlicher Gewichtung auch Ansatzpunkte in unseren Workshops und Kursen.

MUSIK

  • Gestalt und Gestaltung
  • den formellen Aufbau eines Tangos wahrnehmen und in Ansätzen analysieren (Charakteranalyse)
  • Liedformen im Tango hören und in Bewegung umsetzen
  • Musikalische Grundformen erfahren (z. B. Rondoform – ABACA – als klassische Form der meisten Tangos)

KOMMUNIKATION

Phänomen der sprechenden Körper, Bewegung (Ästhetik der Bewegung) lernen durch Spiegelung und Resonanz.

Durch Verfeinerung der Wahrnehmung in einer Bewegung entstehen neue Impulse und Anreize für eine Entfaltung der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten.

Individualität

Jeder Mensch hat seine individuelle Art sich zu bewegen. In der Bewegung zeigt sich die Individualität und die Persönlichkeit. Ebenso individuell muss die Sicht auf die Schüler sein: Was hilft gerade diesem Schüler, um einen Schritt weiterzukommen? In kaum einem anderen Fach werden die individuellen Hindernisse so deutlich gesehen. Hier können Schwellen überschritten werden, die den Schüler auch in anderen Zusammenhängen bereichern. Die Körpersprache, der Ausdruck des Körpers ist unverstellt. In ihm – und durch ihn – lassen sich Probleme erkennen und lösen, die mit Worten oft nicht ausgedrückt werden können. Vor diesem Hintergrund ist der Tango eine großes Wagnis, aber auch eine große Chance.

„Sich körperlich ausdrücken, Bewegung gestalten: Unter dieser Perspektive geht es darum, dass der Körper, insbesondere der Körper in Bewegung, von anderen und uns selbst immer auch als Träger von Botschaften über das Ich aufgefasst wird.“

Vgl.: LpSpGym (Abs. 2.3.4.)

OFFENHEIT

Tango Tanzen, Tango Tanzen Lernen und Lehren sind offene Prozesse. Tänzer, Lehrer, Lehrmethoden und der Tango selbst entwickeln sich immer weiter.

So lernt man immer vom anderen, vom Tanzpartner beim Tanzen – der Folgende vom Führenden – der Führende vom Folgenden – wie auch der Schüler vom Lehrer und der Lehrer vom Schüler.

ÜBERTRAGUNG

Interaktion zwischen Führendem und Folgendem.

Schulung von Ausdrucksfähigkeit im Hinblick auf Körperwahrnehmung.

Verbale Ausdrücke für neue eigene und gemeinsame Bewegungserfahrung.

BEWEGUNGSANALYSE

Schulung der Wahrnehmung von komplexen Bewegungsabläufen (Betrachtung einzelner Körperabschnitte).

GRENZEN

Eigene Grenzen im Kontakt mit dem Partner spüren, anerkennen, ausdrücken und eventuell selbstverantwortlich überwinden.

Grenzen des anderen wahrnehmen und respektieren.

WAHRNEHMUNG

Wahrnehmen der formalen Struktur im gestalteten Tanz.

Musik hören durch die Ohren des Partners. Wechselseitiger non verbaler Austausch im Wechsel der Rollen (Führen und Folgen).

BEWEGUNGSERLEBNIS – SINNESWAHRNEHMUNG – KÖRPERERFAHRUNG.

Die Komplexität der Tangomusik, die sich in Struktur und Aufbau stark an der europäischen Musiktradition orientiert, bietet einen anspruchsvollen Hintergrund (Basis) für die Entwicklung einer Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten für die beiden kommunizierenden Körper im Paar.

Dabei gibt die Interpretation der Tangomusik viele Möglichkeiten: beginnend beim musikalisch relativ einfachen Gehen auf den Taktschwerpunkten; insbesondere bei vom Rhythmus dominierten Tangostücken, über eine immer differenziertere Gestaltung der Musik durch eine Erweiterung der Schrittdynamik und der Technik im Allgemeinen, hin zu sehr komplexen Ausdrucksformen. Die Orientierung an den Taktschwerpunkten wird sich mehr und mehr lösen und die Akzente der Melodie (auch einzelner Instrumente) werden mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommen, um mit dem Körper und im Dialog mit dem Partner sehr differenziert und sehr individuell auszudrücken.